Ärzte haben auch über sehr seltene Behandlungsrisiken aufzuklären

Das Oberlandesgericht (OLG) Bremen hat mit Urteil vom 02.04.2015 (Az.: 5 U 12/14) entschieden, dass ein Arzt seinen Patienten grundsätzlich auch über seltene, und zwar sogar auch über sehr seltene Risiken aufzuklären hat, wenn deren Realisierung die Lebensführung des Patienten schwer belasten würde und die entsprechenden Risiken trotz ihrer Seltenheit für den Eingriff spezifisch, für den Laien aber überraschend sind (hier: Risiko von 0,1 %, das bei einem infrarenalen Aorteneingriff wegen eines Bauchaortenaneurysmas eine postoperative spinale Ischämie als Operationsfolge eintreten kann). 

Weiterhin hat das OLG Bremen in der hier in Rede stehenden Entscheidung bestätigt, dass dann, wenn sich der Arzt hinsichtlich der Aufklärungsrüge des Patienten auf eine hypothetische Einwilligung des Patienten beruft, der Patient solchenfalls plausible Gründe dafür darlegen muss, dass er sich in seiner persönlichen Entscheidungssituation in einem echten Entscheidungskonflikt befunden haben würde. Was aus ärztlicher Sicht sinnvoll und erforderlich gewesen wäre und wie sich ein „vernünftiger“ Patient verhalten haben würde, sei deshalb grundsätzlich nicht entscheidend. Auch könne nicht verlangt werden, dass der Patient genaue Angaben darüber macht, wie er sich wirklich verhalten oder entschieden hätte. Allerdings müsse er einsichtig machen, dass ihn die vollständige Aufklärung über das Für und Wider des ärztlichen Eingriffs ernsthaft vor die Frage gestellt hätte, ob er zustimmen solle oder nicht (hier verneint).