15.000 € Schmerzensgeld nach verzögerter Tumorbehandlung 

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat mit Urteil vom 18.02.2015 (Az.: 3 U 166/13) entschieden, dass eine nach einer verzögerten Tumorbehandlung zurückbleibende dauerhafte Fuß- und Großzehenheberschwäche die Zuerkennung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 15.000,00 € rechtfertigen kann.

Die im Jahre 1987 geborene Klägerin, seinerzeit Studentin der Tiermedizin, suchte in den Jahren 2009 und 2010 mehrfach den beklagten Orthopäden auf, weil sie u.a. Schmerzen im rechten Fuß verspürte. Der Beklagte diagnostizierte einen Kiefergelenkschaden, einen Kopfschmerz, eine Fibulaköpfchenblockierung und ein HWS-Syndrom. Auf dieser Basis veranlasste der Orthopäde entsprechende Behandlungen, die die Beschwerden der Klägerin nicht beseitigen konnten. Erst eine im Jahre 2001 durchgeführte kernspintomographische Untersuchung ergab Anhaltspunkte für eine Tumorerkrankung, die sich nach ihrer operativen Versorgung im März 2011 als Synovialsarkom (= aggressiver Weichteiltumor) bestätigte. In der Folgezeit stellte sich bei der Klägerin eine dauerhafte Fuß- und Großzehenheberschwäche ein. Insbesondere mit der Begründung, der Beklagte habe es versäumt, rechtzeitig bildgebende Befunde zu erheben, die eine frühere Behandlung des Tumors mit weniger schwerwiegenden Folgen ermöglicht hätten, hat die Klägerin den Beklagten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld (letzteres mit einer Forderung von 25.000,00 €) gerichtlich in Anspruch genommen.


Das OLG Hamm hat vor diesem Hintergrund – bei Abänderung des klageabweisenden erstinstanzlichen Urteils – entschieden, dass die Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000,00 € verlangen könne.


Nach Auffassung des OLG Hamm sei die Klägerin vom Beklagten im März 2010 grob fehlerhaft behandelt worden. Der Beklagte habe es zu diesem Zeitpunkt versäumt, die Beschwerden der Klägerin durch bildgebende Verfahren weiter abzuklären. Der im gerichtlichen Verfahren angehörte medizinische Sachverständige habe insofern bestätigt, dass eine im Frühjahr durchgeführte Bildgebung einen behandlungsbedürftigen Tumorbefund ergeben hätte.


Der grobe Behandlungsfehler bewirke – so das OLG – eine Beweislastumkehr zu Gunsten der Klägerin. Zu ihren Gunsten sei daher davon auszugehen, dass die vom Beklagten zu vertretende zeitliche Verzögerung bei der Behandlung des Synovialsarkoms auch die später eingetretene Komplikation der Fuß- und Großzehenheberschwäche verursacht habe. Nach den Feststellungen des angehörten Sachverständigen sei der grobe Behandlungsfehler auch generell geeignet gewesen, diesen Gesundheitsschaden bei der Klägerin hervorzurufen. Die um ca. 8 bis 9 Monate verzögerte Behandlung und das Tumorwachstum in dieser Zeit hätten die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und komplikationsfreie Behandlung des Sarkoms verschlechtert. Den aufgrund der Beweislastumkehr zu Gunsten der Klägerin anzunehmenden Kausalzusammenhang habe der Beklagte nicht widerlegen können.


Da die bei der Klägerin entstandene Fuß- und Großzehenheberschwäche bei der Bemessung des Schmerzensgeldes zu berücksichtigen sei und die Klägerin mit diesen Einschränkungen ihrer Beweglichkeit dauerhaft leben müsse, sei nach Auffassung des OLG ein Schmerzensgeld in der zuerkannten Höhe (= 15.000,00 €) gerechtfertigt.


Das Urteil ist rechtskräftig.